Kann man ein „sicheres Land“ mit einer einzigen Zahl bestimmen?
Beim internationalen Vergleich der öffentlichen Sicherheit ist die Mordrate meist der erste Wert, der herangezogen wird. Sie zeigt, wie viele Fälle auf 100.000 Einwohner kommen, und liegt für 196 Länder und Gebiete vor. Der weltweite Wert im aktuellsten Jahr beträgt 5.2 Fälle. In Japan sind es 0.23 Fälle, womit das Land auf Platz 6 der Länder mit den niedrigsten Werten liegt.
An der Spitze stehen die Kanalinseln (0.00 Fälle), Katar (0.07 Fälle) und Singapur (0.07 Fälle). Am anderen Ende liegen die Turks- und Caicosinseln (76.34 Fälle), St. Kitts und Nevis (64.16 Fälle) sowie St. Vincent und die Grenadinen (51.32 Fälle); zwischen oberem und unterem Ende liegt ein Unterschied von mehr als dem 300-Fachen.
Betrachtet man nur diesen einen Indikator, gehört Japan zu den Ländern mit den wenigsten Tötungsdelikten weltweit. Misst man „Sicherheit“ jedoch ausschließlich anhand von Tötungsdelikten, bleibt vieles unberücksichtigt.
Auch bei Verkehrstoten liegt Japan weltweit weit vorne
Die Sterberate durch Verkehrsunfälle (pro 100.000 Einwohner) liegt in Japan bei 3.6 Personen, womit das Land unter 190 Ländern und Gebieten Platz 14 einnimmt. Das entspricht etwa einem Fünftel des weltweiten Werts von 16.75 Personen. Am unteren Ende liegen die Dominikanische Republik (64.6 Personen), Simbabwe (41.2 Personen) und Venezuela (39.0 Personen).
Betrachtet man die beiden Formen des „von außen kommenden Todes“ – Tötungsdelikte und Verkehrsunfälle –, gehört Japan konstant zur Weltspitze.
Bei der Suizidsterberate liegt Japan dagegen auf Platz 169 von 185 Ländern
Selbst bei derselben „Sterberate pro 100.000 Einwohner“ kehrt sich die Rangfolge beim Suizid um. Japan kommt auf 17.43 Personen und liegt damit auf Platz 169 von 185 Ländern und Gebieten, wenn man von den niedrigsten Werten ausgeht. Das ist fast das Doppelte des weltweiten Werts von 9.13 Personen.
Am unteren Ende stehen St. Vincent und die Grenadinen (0.41 Personen), Syrien (0.59 Personen) und Jordanien (0.60 Personen). Am oberen Ende liegen Lesotho (28.66 Personen), Südkorea (27.53 Personen) und Eswatini (27.23 Personen); Japan bewegt sich auf einem Niveau nahe dieser Spitzengruppe.
Auf 0.23 Personen durch Tötungsdelikte kommen 17.43 Personen durch Suizid. In Japan beenden mehr als 75-mal so viele Menschen selbst ihr Leben, wie durch Gewalt ums Leben kommen. Der Ausdruck „sicheres Land“ bezieht sich dabei nur auf den ersten dieser beiden Werte.
Allerdings ist der internationale Vergleich von Suizidstatistiken auch deshalb schwierig, weil sich die Kriterien für die Feststellung der Todesursache und die Meldesysteme unterscheiden. Unter den Ländern mit niedrigen Werten kann es einige geben, bei denen ein Teil der Fälle statistisch nicht erfasst wird. Selbst unter Berücksichtigung dessen bleibt die Position Japans unverändert: Der Wert liegt fast doppelt so hoch wie der weltweite Wert.
Militärausgaben: Platz 67 von 164 Ländern
Als eine Form des Umgangs mit Ausgaben für die nationale Sicherheit werden die Militärausgaben (im Verhältnis zum BIP) betrachtet. Japan liegt bei 1.37% und damit auf Platz 67 von 164 Ländern und Gebieten, wenn man von den niedrigsten Werten ausgeht. Der Wert liegt unter dem weltweiten Wert von 2.47%.
Am unteren Ende stehen Haiti (0.07%), Mauritius (0.15%) und Laos (0.19%). Am oberen Ende liegen die Ukraine (34.48%), Eritrea (20.87%) und Israel (8.78%); dort finden sich Länder, die von Konflikten betroffen sind.
Bei der Korruptionsbekämpfung Platz 24 von 206 Ländern
Beim Indikator „Korruptionsbekämpfung“ (je höher der Wert, desto stärker die Kontrolle) – einem der Maßstäbe für die Qualität staatlicher Verwaltung – erreicht Japan 75.32 Punkte und liegt damit auf Platz 24 von 206 Ländern und Gebieten. An der Spitze stehen Dänemark (94.16 Punkte), Finnland (92.23 Punkte) und Luxemburg (88.66 Punkte). Am unteren Ende liegen Südsudan (6.06 Punkte), Somalia (11.70 Punkte) und Syrien (13.41 Punkte).
Zu den führenden nordischen Ländern beträgt der Abstand fast 20 Punkte. Bei der Zahl der Tötungsdelikte liegt Japan weltweit auf Platz 6, bei der Transparenz der staatlichen Verwaltung dagegen auf Platz 24.
Betrachtet man alle 5 Werte, verändert sich das Bild der „Sicherheit“
| Indikator | Wert für Japan | Rang (Grundgesamtheit) |
| Mordrate | 0.23 Fälle/100.000 Einwohner | Platz 6 (196) |
| Sterberate durch Verkehrsunfälle | 3.6 Personen/100.000 Einwohner | Platz 14 (190) |
| Korruptionsbekämpfung | 75.32 Punkte | Platz 24 (206) |
| Militärausgaben (im Verhältnis zum BIP) | 1.37% | Platz 67 (164) |
| Suizidsterberate | 17.43 Personen/100.000 Einwohner | Platz 169 (185) |
Bei Gefahren durch andere Menschen liegt Japan weltweit an der Spitze, bei der Qualität der staatlichen Verwaltung im oberen Bereich und bei der Zahl der Menschen, die selbst ihr Leben beenden, im unteren Bereich. Ob ein Land als „sicher“ gilt, hängt davon ab, welche Todesursachen man zählt.
Beim Lesen internationaler Vergleiche zur öffentlichen Sicherheit sollte man weniger auf die Rangplätze an sich achten als darauf, wie stark sie zwischen den einzelnen Indikatoren schwanken. Im Fall Japans reicht diese Spannweite von Platz 6 bis Platz 169, also über 163 Rangplätze.
Quellen
- Intentional homicides (per 100,000 people) (Weltbank, World Development Indicators VC.IHR.PSRC.P5)
- Mortality caused by road traffic injury (per 100,000 population) (ebd. SH.STA.TRAF.P5)
- Suicide mortality rate (per 100,000 population) (ebd. SH.STA.SUIC.P5)
- Military expenditure (% of GDP) (ebd. MS.MIL.XPND.GD.ZS)
- Control of Corruption: Percentile Rank (ebd. CC.PER.RNK)
Die Werte basieren auf dem jeweils aktuellsten erfassten Jahr der einzelnen Indikatoren. Mordrate 2023, Sterberate durch Verkehrsunfälle 2019, Suizidsterberate 2021, Militärausgaben 2024, Korruptionsbekämpfung 2024.